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Herr Wichtig ist beleidigt.


Herr Wichtig hat sich in unserer letzten Sitzung ganz unauffällig verhalten. Er ist nicht durch gehaltvolle Beiträge zur Diskussion aufgefallen, auch nicht durch intensives Hinterfragen. 
Er hat sich einfach - wie schon in den anderen Aufsichtsrats-Sitzungen zuvor - hinter seinem 800-Seiten starken Aufsichtsrats-Handbuch versteckt. 
Viel hätte er auch nicht beitragen können, er musste ja die Welt retten und ganz schön telefonieren. Er macht das gerne so, dass man mithören kann: Er hält das Mobiltelefon ans Ohr, mit der Rechten, wirft seine steile Konzentrationsfalte zwischen den Brauen an und hält vor seinen nuschelnden Mund die Linke, damit wir gerade noch ein bisschen etwas verstehen können von seinem Telefonat. Also etwa: " ...unmöglich, ich bin hier im Aufsichtsrat– unverzichtbar...", "... die Sitzung wird bis spät in die Nacht dauern, haben eine irre schwierige Diskussion...“ bis zu: "... lassen Sie den Wagen vorfahren. Ja. Dann soll er eben warten. Das ist sein Job."
Frauen können im Gegensatz zu Männern zwei Unterhaltungen gleichzeitig lauschen, ich bin daher im Bilde und trotzdem präsent.
Also eigentlich eine ordentliche, solide Aufsichtsrats-Sitzung heute, alle Beschlüsse einstimmig, keine schwierigen Themen. 
Nun fehlt noch der letzte Tagesordnungspunkt: "Allfälliges".
Ich merke schon die Minuten davor wie Herr Wichtig sich in Position setzt, sein charmantes Filmstarlächeln aufsetzt - und dann meldet er sich zu Wort:
Er wurde von einer PR-Agentur angefragt, entweder alleine, lieber mit uns anderen Aufsichtsräten gemeinsam an einem Ranking teilzunehmen. Thema: Wer ist der beste Aufsichtsrat?
Wir erstarren. Erstaunt fragt der Vorsitzende, welche Metrik man hier bei der Bewertung anlegt, fragt sein Stellvertreter, was das bringen soll und fragt etwas irritiert der Finanzvorstand, wie viele Werbeeinschaltungen das wohl kostet. 
Herr Wichtig kämpft. Wir hätten die einmalige Chance, auf den Wirtschaftsseiten gefeiert zu werden, jeder einzelne von uns würde für weitere Mandate angesprochen werden. Eine Win-Win Situation eben. 
Mein Kommentar: Bestimmt nicht. Also bestimmt nicht teilnehmen, schon gar nicht Win-Win. 
Man kann alles Mögliche ranken, bewerten, auszeichnen - aber bitte keine Aufsichtsräte, deren Tätigkeit fernab der Öffentlichkeit stattfinden muss, die in allem der Verschwiegenheit unterliegen - was soll denn da bewertet werden?
In manchen europäischen Ländern gibt es für Autos gegen Bezahlung Wunschkennzeichen: Opa 6 und Puppi 1. Blickdiagnose im Straßenverkehr. Herr Wichtig versteht meinen Vergleich, blickt indigniert, die Sitzung ist geschlossen.

Dr. Viktoria Kickinger

Juni 2016


ANMERKUNG:JEDE ÄHNLICHKEIT MIT LEBENDEN ODER REALEN PERSONEN BZW. UNTERNEHMEN WÄRE REIN ZUFÄLLIG

 

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